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Seminarbericht vom 7./8./9. Mai 2007 mit Serge van der Zweep

(www.bordercollie.nl)
 

Ein spannendes 3-Tages-Seminar mit Serge van der Zweep in Wünnewil bei ziemlich stürmischem Regenwetter liegt hinter uns und nun habe ich also als so ziemlicher Hüteneuling den Auftrag gefasst, einen Bericht darüber zu schreiben.

Zuallererst ein herzliches DANKESCHÖN an die Gastgeberfamilie Schuhmacher, auf deren Hof das Seminar stattfand. Dies ist eine intensive Angelegenheit und nicht immer ganz leicht und vor allem nicht selbstverständlich! Land, Schafe und Verpflegung liessen absolut keine Wünsche offen!

Das Seminar war sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene sehr lehrreich. Die vorgeführten Hunde hatten einen sehr unterschiedlichen Trainingsstand, was es dem Seminarteilnehmer ermöglichte, mitzuerleben, wie Serge die Ausbildung vom jungen bis zum fortgeschrittenen Trialhund vornimmt.

Serge van der Zweep hat eine sehr angenehme Art, die Dinge zu erklären und niemand ging demotiviert mit seinem Hund vom Platz, sondern mit einer ganzen Menge Anregungen, was noch zu trainieren ist. Serge betonte, dass man Trainingsherausforderungen nicht als Problemstellen des Hundes sehen soll, sondern einfach als etwas, worauf man sich einstellen und dann entsprechend handeln muss.

Eine ruhige Arbeit mit dem Hund ist die Grundlage dafür, dass alles unter Kontrolle bleibt und erfolgreich verläuft. Deshalb ist es sinnvoller ab und an, einen kleinen Moment innezuhalten, anstatt dass alles aus dem Ruder läuft. Serge betont, dass man konstant versuchen muss, den Hund ruhig zu halten. Man sollte den Augen des Hundes ansehen, dass er ruhig ist.

Interessant war auch zu erleben, wie die Variation der eigenen Stimme dazu beitragen kann, dem Hund seine Aufgabe viel leichter zu machen. Es ist wichtig deutlich, aber nicht mit einem gehässigen Ton zu sprechen.
Immer muss man daran denken, dass die Stimme des Hundehalters auch einen Einfluss auf die Schafe hat. Mit einem zu aufgeregten oder lauten Hörzeichen (z.B. beim Shedding), kann der Mensch die Schafe schnell in die falsche Richtung treiben oder gar „versprengen“.

Wie erfolgreich und ruhig die Arbeit mit dem Hund sein kann, wenn dieses ganze Wissen auch wirklich in die Praxis umgesetzt wird, demonstrierte Serge mit einem Hund einer Teilnehmerin beim Shedding: zuerst sorgte Serge dafür, dass alle Schafe ruhig waren und in die gleiche Richtung schauten. Ein ruhiges Hörzeichen reichte und schon waren die Schafe in zwei Gruppen aufgeteilt. Toll, anzusehen.

In der Arbeit von Serge mit den einzelnen Teilnehmern, zeigte sich generell eigentlich bei allen Hunden die gleichen Probleme.
Ein wichtiges Thema: In der 12-Uhr-Position bzw. im Bereich darum herum (von 11 Uhr bis 13 Uhr) fühlen sich die Hunde wohl und sie haben aufgrund ihrer genetischen Veranlagung eine Blockade, so dass sie nicht über diese Punkte hinauslaufen bzw. sich nicht weiter schicken lassen. Deshalb trainiert Serge dies schon gleich von Beginn weg und dann bis ins Hundeseniorenalter. Sogar noch bei seinen Champions. Um diese Blockade des Hundes abzubauen, ist es wichtig, dass man sich als Hundeführer nicht einfach selber im Kreis gegen den Hund verschiebt, so dass auch das „Hindernis“ für den Hund wieder verschoben ist, sondern dass man gezielt daran arbeitet, dass der Hund immer und immer wieder über diese Punkte hinausläuft, indem man gerade auf ihn zugeht und ihn weiter in die gewünschte Richtung schickt, bis es für ihn kein Problem mehr darstellt.

Sehr zufrieden und um viele Erkenntnisse reicher, machten wir uns auf den Heimweg. Bis zum nächsten Seminar mit Serge van der Zweep!


Simone Fasel

 

Einige Trainingstipps von Serge

Outrun

Ein ausgebildeter Hund sollte beim Einholen steuerbar sein, d.h. man sollte ihn auf dem Outrun sowohl weiter als auch enger machen können. Wie lernt man dies dem Hund?

Weiter machen:
Hund auf Outrun stoppen und liegen lassen. Auf der Bringlinie ruhig nach vorne gehen bis man auf Höhe des Hundes (oder sogar noch näher bei den Schafen) ist. Nun den Hund mit einem speziellen Kommando weiter hinausdrücken. Später, wenn der Hund weiss, was das Kommando bedeutet, braucht man nicht mehr nach vorne zu gehen.

Enger machen:
Hund auf Outrun stoppen, einen Moment warten und dann ganz freundlich den Namen des Hundes und gleich anschliessend ganz ruhig nochmals das Flankierkommando sagen. Das freundliche (der Hund soll nicht das Gefühl haben, etwas falsch gemacht zu haben) Rufen des Namens veranlasst den Hund, etwas nach innen und zurück zu schauen. Dies verengt seine Bahn.

Die Hunde lernen schnell, dass ein Stopp auf dem Outrun bedeutet, dass sie nun enger oder weiter gehen müssen. Später braucht es dann auch einen Stopp mehr und der Hund kann im vollen Lauf korrigiert werden. Zum Üben ist es praktisch, wenn man sich den gewünschten Outrun vorher vorstellt und dann bei jeder Abweichung von dieser Linie den Hund sofort korrigiert.

Shedding (Trennen)

Um zu erreichen, dass der Hund beim Shedding schnell reinkommt, geht man folgendermassen vor: Man macht eine Lücke und treibt die eine Gruppe selbst einige Meter weg, wobei der Hund liegen bleibt. Nun ruft man den Hund nicht zu sich sondern flankiert ihn hinter sich zwischen den beiden Gruppen hindurch. Gleichzeitig geht man nun schnell einige Schritte auf die Seite, auf welcher der Hund war, d.h. wir wechseln quasi mit ihm die Seite.

Für den Hund ist es so viel logischer, so schnell wie möglich zwischen den Gruppen hindurch auf die andere Seite zu gehen, da diese ja nun „unbewacht“ ist. Die Hunde lernen auf diese Weise gerne und schnell zu shedden.

Wenn man Schafe hat, die schwierig zu trennen sind, kann man einen Teil in einen Pferch sperren und die restlichen draussen lassen. So wird es einfacher, die draussen wegzutreiben.

Schafe aussortieren (Vereinzeln)

Um bestimmte Schafe aus einer grösseren Gruppe aussortieren zu können, braucht man ein anderes Vorgehen, als beim normalen Shedding. Für diese Aufgabe brauchen wir den Hund quasi als Schiebetüre zwischen den abgetrennten und den verbleibenden Schafen. Man öffnet die Türe nur ein wenig um Schafe durchzulassen, indem man den Hund langsam (!) und nur einige Schritte weit flankiert. Wenn das (oder die) Schafe durch ist (sind) wird die Tür ebeso ruhig wieder geschlossen, d.h. der Hund wird wieder auf die Linie zwischen den Gruppen zurückflankiert.

Bewegt sich der Hund zu schnell zwischen den Gruppen, werden diese sich zuweit voneinander entfernen und die Schafe haben keine Lust mehr, durch die „Türe“ zu gehen.

Die ganze restliche Arbeit müssen wir übernehmen, d.h. wir müssen die Schafe möglichst ruhig und nur soviel bewegen, dass die abzutrennenden Schafe an den Rand der Gruppe kommen und durch die Tür zur anderen Gruppe entlassen werden können, bis man am Schluss nur noch die gewünschten Schafe unter Kontrolle des Hundes hat. Dies erfordert ein gutes Gefühl für Schafe. Falls wir den Hund aber brauchen um z.B. die eine Gruppe am Davonlaufen zu hindern, öffnen wir die Tür vollständig. Dies merken die Schafe sofort und wir werden unsere Arbeit wieder von vorne beginnen müssen. Für das Vereinzeln muss unser Hund lernen, absolut zuverlässig liegen zu bleiben, auch wenn Schafe neben ihm durchlaufen.

Daniela Gerber-Mattli
 

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