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Seminar mit Anne Krüger, 19.-21. Oktober
Zum zweiten Mal haben Sandra, Charly und Trix einen
Wochenendkurs mit Anne Krüger organisiert. Bei einer frischen Brise
fanden wir uns am Freitagnachmittag bei Fam. Schmucki ein und waren
froh, uns zunächst für etwas Theorie ins Gartenhaus zurückziehen zu
können.
Kommunikation:
Anne begann mit einigen Gedanken zum Leben der Hunde in
unserer Gesellschaft und zu dem, was wir landauf landab unter
„Hundeliebe“ verstehen. Sie führte uns vor Augen, dass für viele Welpen
mit dem Verlassen ihrer Hundefamilie ein Leben in Einzelhaft beginnt
unter dem wachsamen Auge des Gefängniswärters Mensch. Jeder Hundehalter
würde ganz selbstverständlich von sich behaupten, seinen Hund völlig
gewaltfrei zu erziehen und gewaltfrei mit ihm zu kommunizieren. Trotzdem
würden nicht wenige ihren Hund ein Hundeleben lang nur über die
physische Kraft kontrollieren, was ja eigentlich nichts anderes sei als
Gewalt.
Einen Hund so zu kontrollieren, dass wir mit ihm
zusammen als Team funktionieren, könnten wir nur über unsere Präsenz
erreichen. Hundeliebe als Kombination von gegenseitigem Vertrauen und
Respekt. Dazu muss der Hund erst einmal die „unmittelbare
Gesprächsbereitschaft“ erlernen. Das heisst er muss lernen, dass wir
für ihn wichtig sind und zwar nicht bloss als Leckerli- Automat.
Als Prinzip des Lernens hat uns Anne Krüger die „Harmonielogie“
vorgestellt. Dabei geht es darum, dass der Mensch ein unerwünschtes
Verhalten des Hundes kritisiert und dabei eine „Disharmonie“
herbeiführt, die der Hund durch Finden der richtigen Lösung, nämlich
Zeigen des erwünschten Verhaltens, auflösen kann: Abstellen der
Störung durch Finden der richtigen Lösung. Dabei ist der Mensch
nicht gewalttätig, aber er ist gewaltbereit: analog einer Ampel
signalisiert er dem Hund unmissverständlich die Phasen grün (richtig),
orange (aufpassen, es kommt gleich falsch) und rot (falsch). Dabei ist
wichtig, dass die Störung immer auf kurzem Weg in die Lösung führt.
Anhand Ihres eigenen Hundes Luk und zweier Welpen aus
dem Kreis der Kursteilnehmer hat uns Anne ihre Art der Kommunikation
eindrücklich demonstriert. Sie machte uns Mut, diese Art der
Kommunikation auch an älteren Hunden und in Fällen, in denen sich
unerwünschte Verhaltensweisen eingeschliffen haben, anzuwenden. Denn der
Hund schlage jeden Tag eine neue „weisse Seite“ auf und gebe uns damit
jeden Tag eine neue Chance unser und sein Verhalten zu ändern.
Ausbildung der Hütehunde:
Theorie:
Am Samstag war endgültig Zeit für die langen Unterhosen, dicken
Winterpullis und Winterpneus, was manche erst unterwegs realisierten, so
dass der Weg nach Pfäffikon etwas länger war als normal.
Los ging’s mit der Theorie zu Aufbau und Arbeit des
Koppelgebrauchshundes, eine Arbeit mit Raubtier und Beute! Da hörten
wir, dass die unmittelbare Gesprächsbereitschaft, Herkommen und sich in
jeder Situation hinlegen lassen die unabdingbaren Voraussetzungen für
den Beginn der Arbeit an den Schafen sind.
Es folgten Erläuterungen zur Arbeit im Zirkel mit
Ziehen und Schieben des Hundes und die Wichtigkeit unserer Achse und
Schultern in der Kommunikation mit dem Hund. Schliesslich die Reduktion
der Körperhilfen und das Umstellen auf akustische Signale, die
Feinsteuerung und die Distanzarbeit. Anhand einer klar definierten
Ausbildungsskala erklärte uns Anne die Ausbildung der Hunde bis zum
höchsten Niveau.
Praktische Arbeit:
Und nun ging’s raus, an die Arbeit mit den Schafen und den eigenen
Hunden. Jeder zeigte kurz, wie er mit seinem Hund arbeitet, worauf Anne
die Schwächen aufzeigte und priorisierte. Schon ging’s los mit der
Umsetzung der Theorie in die Praxis!
Ein häufiges Problem waren schlechte Stopps mit
etlichen Hundelängen Bremsweg und Reinziehen gegen die Schafe. Es war
eindrücklich zu sehen, wie eine unmittelbare, überraschende Störung mit
Bewegung gegen den Hund in kurzer Zeit viel bewirkte.
Anne bestand darauf, dass sich die jungen Hunde
hinlegten, ein stehender Hund sei ein laufender Hund. Erst ein voll
ausgebildeter Hund könne „auf den Füssen“ gearbeitet werden. Zudem
mussten wir lernen, den Druck aus den Kommandos zu nehmen und das
Kommando selbst stets einladend und leicht zu halten. Allein mit
besseren Stopps löste sich manch anderes Problem von selbst.
Ein wiederkehrendes Thema waren tangentiale statt
runde Flanken. Mit Anhalten des Hundes, Einwirken unserer Achse und
der Schultern und Stören des Hundes bis er weicht, konnten wir schöne
Fortschritte erzielen. Eindrücklich konnten wir den Unterschied zwischen
blossem Rückwärtsgehen und echtem Weichen des Hundes, durch Abdrehen der
Augen, Kopf, Rumpf und Nachhand, auf einen grösseren Radius beobachten.
Gesucht wurde die Balance des Hundes (hat nichts mit der
zwölf-Uhr-Position zu tun), das Finden und Einhalten des Radius, in dem
er den Kontakt zu den Schafen hat, diese aber nicht stört.
Interessant war, wie Anne die Hunde und die Schafe sehr
fein beobachtete. So wies sie uns auf kleine Zeichen hin, wie das
Schnauze Lecken eines jungen Hundes beim Hinterhertreiben, das sie als
Zeichen einer noch nicht sehr hohen Belastbarkeit und Reife zu
interpretieren wusste.
Was mich am meisten beeindruckte war der respektvolle
Umgang mit den Schafen. Auch für diese galt, dass eine Störung durch
Finden der richtigen Lösung, nämlich Weichen, behoben werden konnte. Die
Schafe waren ein gleichberechtigter Partner im Team Mensch – Schaf –
Hund. Das Ziel, gegenseitiger Respekt und Vertrauen, wurden spürbar.
Einen herzlichen Dank Anne, den Schwändi-Schafen und Familie Schmucki,
Sandra und Charly für diesen Kurs, der mir viel Motivation, aber auch
Vertrauen und Gelassenheit gegeben hat.
Ursi Horisberger / 20071021
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