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Kurs mit Julie Hill
Nachdem das Richten und Kursgeben von Julie letzten Januar so grossen
Anklang gefunden hat, haben wir uns entschlossen, sie wiederum
einzuladen. Vom 16. - 21. November hat Julie uns also mit 4 Kurstagen
und dem Richten des Swiss Open wiederum viel Wissenswertes in Bezug auf
das Ausbilden und Führen unserer Hunde übermittelt. Im September hatten
ja einige von uns die Gelegenheit gehabt, uns anlässlich der
International Trials in Schottland von Julie’s Können persönlich zu
überzeugen: Sie gewann mit einem Superlauf die Quali-Läufe und holte
sich im Final den 2. Rang. Julie steht aber trotz ihren Trial-Erfolgen
(sie ist die einzige Frau die bisher das International gewonnen hat) bei
der Ausbildung der Hunde immer die praktische Arbeit als Farmhund in den
Vordergrund. Auch beim Richten entscheidet sie immer zugunsten der
praktischen Aspekte.
Julie’s Eindrücke am Swiss Open:
Die meisten von uns haben ihren Hund dauernd unter Kontrolle. Wir
sollten einmal nach Schottland kommen und sehen, wie unkontrolliert
diese schottischen Hunde arbeiten. Mit unkontrolliert meint sie, dass
die Hunde einen Grossteil ihrer täglichen Arbeit ohne Kommandos
erledigen indem sie selber Entscheidungen treffen. Wenn man z.B. 1000
Schafe mit mehreren Hunden zügle, sei es schlicht nicht möglich, ständig
Kontrolle auszuüben. Das Erste, was also ein junger Hund lernen muss,
ist, die Schafe zu respektieren! Er darf sie weder als Spielzeug noch
als Futter betrachten. Danach muss er ein Gefühl für die Schafe
entwickeln, d.h. er muss erkennen, wie er selber auf die Schafe wirkt,
wie viel Druck er machen darf, ohne sie zu stressen. Dies kann ein Hund
aber unmöglich lernen, wenn er ständig gestoppt und herumkommandiert
wird! Ein Hund, der nicht gelernt hat, selber Entscheidungen zu treffen,
ist auf der Farm und am Trial oft nutzlos, da immer wieder Situationen
entstehen können, wo wir den Hund nicht sehen oder er uns nicht hören
kann. Auch z.B. beim Einpferchen sind wir auf das Mitdenken und
Entscheiden des Hundes angewiesen, da wir bei flüchtigen Schafen oft gar
nicht die Zeit hätten, den Hund mit Kommandos die Fluchtversuche der
Schafe vereiteln zu lassen. Hund und Schäfer sollten Partner sein! Bei
uns habe sie aber wenig Partnerschaft und stattdessen viel Bevormundung
gesehen.
Ob eine Gruppe Schafe sich „gut“ oder „schlecht“ benehme, entscheide
fast immer der Hund! D.h. ein guter Hund hat ein gutes Gefühl für Schafe
erlernt, er behandelt sie respektvoll und anständig. Dies danken die
Schafe, indem sie sich problemlos und ruhig vom Hund leiten lassen. Er
hat also „gute“ Schafe. Wir dürfen uns also nicht dazu verleiten lassen,
zu denken, dieser oder jener Hund habe Glück, er habe immer eine „gute“
Schafgruppe. Oder umgekehrt, ein anderer Hund habe Pech, weil er
„schlechte“ Schafe gehabt habe. Dabei waren seine Schafe „schlecht“,
weil er sie nicht richtig behandelt hat!
Die Kurstage mit Julie
Die 4 Kurstage bei Schumi’s in Wünnewil waren wiederum sehr lehrreich!
Die Spannweite der teilnehmenden Hunde reichte vom rohen Junghund bis
zum erfolgreichen Klasse 3-Hund. Die Schafe und das uns zur Verfügung
gestellte Gelände waren optimal! Jeder Teilnehmer musste Julie als
erstes mitteilen, was sein Ziel für den Tag sei und ob er ein Problem
habe. Anschliessend musste man den Hund einige Minuten so arbeiten, wie
man es zu Hause mache. Julie konnte sich so ein Bild von jedem Paar
machen und meist auch auf Anhieb erkennen, was die Ursache des
jeweiligen Problems war. Dies wurde dann besprochen und anschliessend
versucht, die Ursache zu „behandeln“, was auch bei fast allen innert
kürzester Zeit gelang. Einige Ausbildungslücken lassen sich natürlich
nicht von heute auf morgen schliessen, aber Julie konnte uns doch
deutlich zeigen, wo’s happert. Sie machte uns auch darauf aufmerksam,
dass, wenn man ein Problem, anstatt es zu beheben einfach umgehe, man
meistens ein neues Problem verursache. Hier einige Beispiele von
Problemen und ihren Ursachen:
l. Hund stoppt schlecht, ist immer zu nah und zu schnell, v.a. beim
Bringen. Ursache: wird sehr oft gestoppt, um mehr Distanz und ruhigeres
Tempo zu erhalten. Dies frustriert aber den Hund nur und er beginnt
gegen den Hundeführer zu „kämpfen“ (gehorcht nicht mehr). Zudem kann er
so gar nicht lernen, wie viel Druck er machen muss. Da der Hund immer zu
nah ist, macht er auch beim flankieren immer Druck, was zu einer
zick-zack-linie führt.
Therapie des Problems: Der Hund muss lernen, weit, d.h. ausserhalb des
Druckpunktes zu flankieren. So kann man mit einigen kurzen, aber sehr
weiten Flankierbewegungen immer wieder mehr Distanz zu den Schafen
bekommen, ohne den Hund durch stoppen und warten lassen aufzuheizen.
2. Problem: Der Hund nimmt auf Distanz die Kommandos nicht mehr an. In
der Nähe ist alles o.k. und der Hund gehorcht gut.
Ursache: Hund und Hundeführer haben noch keine gemeinsame Sprache, d.h.
der Hund verlässt sich nur auf die Körpersignale seines Besitzers und
hat die Kommandos noch gar nicht richtig gelernt.
Test: Hund in der Nähe arbeiten, ohne sich zu bewegen. Wenn der Hund
nicht fehlerfrei gehorcht, hat er die Kommandos noch nicht richtig
gelernt und ist somit auf Distanz „führerlos“.
Therapie: Zuerst richtige Verständigung via Stimme und Pfiffe aufbauen.
Wichtig: Stimmvariationen sollen dem Hund auch sagen, was gut und was
schlecht ist. So kann man ihn dann auch auf grosse Distanz mit der
Stimme korrigieren.
3 Problem: Shedding klappt nicht. Ursache: Hund flankiert zu eng und
drückt so die Schafe immer wieder zusammen. Therapie: Hund muss lernen,
auf Kommando weiter zu flankieren. Wenn er dann keinen Druck mehr macht,
gehen die Schafe auseinander. Jeder Hund sollte eng UND weit flankieren
können, da je nach Situation beides gebraucht wird!
Zum Schluss möchten wir uns alle nochmals ganz herzlich bei Schumis für
die Gastfreundschaft bedanken. Im Besonderen wird Ruth’s Kochkunst allen
in bester Erinnerung bleiben!!!!!!!!!!!!!
Daniela Gerber-Mattli
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